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Arbeitstechnik der Choreographen

Die Arbeitsweise der einzelnen Choreographen ist unterschiedlich: einige erarbeiten ihre Choreographie Zuhause, andere benötigen die richtigen Räumlichkeiten, wie einen verspiegelten Tanzsaal,  um sich dort von der Musik und den Tänzern inspirieren zu lassen.
Sprich wie ein Choreograph vorzugehen hat steht nirgends geschrieben, doch der Zusammenhang seiner erfundenen Schritte mit der Musik ist wichtig, sonst würde der Tanz auf der Bühne kein korrektes Bild ergeben. Denn zuerst zu choreographieren und danach irgendein freigewähltes Lied für die zusammengestellten Tanzbewegungen auszusuchen, lässt am Ende das Bühnenbild nicht zuvor durchdacht wirken. Somit verliert der Choreograph zusätzlich aus der Betrachtungsweise des Zuschauers gesehen an qualitativen tänzerischen Fähigkeiten.
Tanzen ohne Musik ist zwar möglich, wird aber eher selten gesehen oder inszeniert. Um nun einen Tanz erfinden und zusammenzustellen zu können, benötigt ein Choreograph als Voraussetzung  zuerst einmal ein Musikstück. Als erster Schritt wird das Lied angehört, damit sich der Choreograph von dem Takt und dem Text des Liedes inspirieren lassen kann und seine ersten Vorstellungen der Choreographie im Gedächtnis skizzieren kann. Je nach individuellen Vorgehen und Arbeitstechnik beschäftigt sich der Choreograph dann mit den einzelnen Teilen, aus denen ein Musikstück in der Regel besteht. Entweder zuerst mit dem Intro (Vorspiel: weckt Neugierde),dem Refrain (oder auch Chorus: Hauptteil und Hauptaussage), den Strophen ( oder auch Vers: längster Teil des Liedes, erzählt die Geschichte), der Bridge (engl. = „ Brücke“: Bindeelement der bisher genannten Teile z.B. zur Dynamiksteigerung) oder zuerst mit dem Outro (Schluss des Stückes; bildet mit dem Intro einen Rahmen um das Stück)37 und fügt diese am Schluss zu einem fertigen Gesamtbild, zu einem Tanz zusammen.
Anders als für die Musik gibt es für den Tanz keine verbindliche (Noten-)Schrift, die es Choreographen erlaubt, die Form von Choreographien und den Verlauf von Körperbewegungen aufzuzeichnen und zu überliefern. Dass die Erinnerung an einen Tanz nicht technisch kopierbar ist, ist verständlich. Den Ort des Gedächtnisses bildet der Körper, und der ganze Mensch ist an der Aneignung, Weitergabe und Übertragung von Bewegungen beteiligt.
Wer je Tänzer beim Erlernen einer Choreographie beobachtet hat, hat vielleicht festgestellt, wie rasch und genau sie Bewegungsfolgen, Raumfiguren und Dynamiken des Ablaufs aufnehmen, im Gedächtnis festhalten und variieren.
Ein leider lückenhaftes Archiv der Dokumente vergangener Tanzereignisse wird heute im Zeitalter des Films und des Videos durch eine wertvolle Dokumentationsbasis ersetzt.

Choreographen übernehmen aber nicht nur die Aufgabe, sich Tanzschritte auszudenken und diese zusammenzustellen, sondern vertreten auch die Rolle des Lehrers und Vermittlers, wie zum Beispiel in einer Tanzstunde.
Um nun eine Tanzstunde leiten zu können, muss der Choreograph über fachliche Kompetenz, Vermittlungsfähigkeit und pädagogische Fähigkeiten verfügen und muss fähig sein eine Bewegung genau und geduldig erklären zu können. Offenheit, Einfühlsamkeit aber auch Humor sind Eigenschaften, die keine Nebenrolle spielen sollten, denn auch das Verhalten des Lehrers ist für die Motivation der Lernenden von enormer Bedeutung.
(Zum Aufbau der Tanzstunde muss hinzugefügt werden, dass folgende beschriebene Methode nur eine von vielen ist, den Tanzunterricht zu gestalten).
Zu Beginn der Stunde sollte der Choreograph zuerst dafür sorgen, dass durch ein altersadäquates, dem individuellen Leistungsvermögen angepasstes, aktives Aufwärmen (Warm-up) die Ausgangsbedingungen für die neuromuskuläre, organische und seelisch- geistige Leistungsfähigkeit des Sportlers geschaffen werden.40 Des weiteren ist u.a. Ziel des Aufwärmens, dass die Verletzungsgefahr der Tänzer vermindert wird, die psychische Lernfähigkeit verbessert wird (Aufmerksamkeit und Konzentration steigt), die Viskosität  (= innere Reibung der Muskeln) sinkt und Bänder, Sehnen und Muskeln elastischer und dehnbarer werden. In das Warm- up werden neben Dehn- und Lockerungsübungen (aufgrund der hohen Anforderung an Beweglichkeit) Basics (Grundschritte) eingebaut, die mit der Schrittfolge in der Choreographie zu tun haben und mehrmals auch intensiver wiederholt werden, wie zum Beispiel Toprocks beim Breakdance oder Points/ Wristroll  beim Locking, um die Tänzer an die Bewegungsabläufe zu gewöhnen und ihnen den Einstieg in die Choreographie zu vereinfachen.
Nach dem Aufwärmen wird den Tänzern meist zuerst das Musikstück vorgespielt, um ihnen erste Eindrücke zu vermitteln. Danach wird schrittweise und langsam die Choreographie einstudiert, indem der Choreograph immer von 1-8 zählt, wobei jede Zahl für eine Bewegung steht. Die Gründe für den 8er- Rhythmus liegen in der Arbeit des Musikproduzenten und des Liedtaktes. 8- Zählzeiten     (8-count) werden in der Musik als eine Phrase bezeichnet. Vier Phrasen bilden daraufhin einen Musikbogen ( 4×8 = 32 Zählzeiten )41. Nach jedem Musikbogen setzt in der Regel der Übergang vom Intro in den Refrain oder vom Refrain in die Strophe ein. Ebenso wiederholt sich der Grundtakt des jeweiligen Instrumentes in einem Lied immer nach der achten Zählzeit. Gleichzeitig kann der Choreograph seine Choreographie durch den 8-count  in mehrere Teile zerlegen und muss sie nicht gleich als Ganzes zeigen. So passt er sich optimal der Aufnahmefähigkeit seiner Tanzschüler an. (In der Regel besteht ein einminütiges Lied aus ca. 13 Achtern). Nach mehreren Wiederholungen der Schritte und Temposteigerungen kann die Gruppe von Tänzern kurz vor Schluss der Stunde in kleinere Gruppen eingeteilt werden, welche dann jeweils den erlernten Tanz vortanzt. So wird das Selbstbewusstsein des Sportlers gestärkt und an das Gefühl vor Publikum zu tanzen gewöhnt. Durch einen sogenannten Freestyle- Kreis (= „Freier Stil“) kann der Choreograph in jedem Tänzer das Gefühl von Gruppenstärke und Spaß am Tanzen verstärken, in dem er jeden einzelnen Tänzer dazu ermutigt in den Kreis zu treten und seinen individuellen Tanzstil zu präsentieren, während er von dem Rest der Gruppe motiviert und angefeuert wird. Die feste Bindung an den Choreographen während der Tanzstunde wird auf diese Weise ein wenig aufgelockert. Des weiteren ist hier ist auch die Kreativität des einzelnen Tänzers gefragt, wodurch er sich weiterentwickeln kann, ihm Freude bereitet wird und er immer dazu angespornt wird, neues auszuprobieren. Eine weitere Methode einer Erfolgskontrolle wäre das Ausführen eines Battles als Zusatzprogramm der Tanzstunde. Man bildet dabei zwei Gruppen, welche sich im Raum so gegenüberstellen müssen, dass in der Mitte genug Platz zum Tanzen bleibt. Nun fordert jeweils ein Tänzer der einen Gruppe, einen anderen Tänzer der zweiten Gruppe heraus und versucht ihn mit seinem eigenen persönlichen Stil zu kontern. Die Gruppe die letztendlich das stärkere Gruppengefühl mitbringt und in der Technik und Ausführung der Bewegungen überragt oder sich allgemein deutlich hervorhebt, ist am Ende der Sieger. Bei dieser Methode wird neben dem Gefühl von Gruppenstärke und der Freude am Tanzen die Möglichkeit gefördert, seinen eigenen Stil zu präsentieren und diesen mit anderen Tänzern zu vergleichen.
Noch wichtiger als das Aufwärmen ist das Abwärmen ( Cool- down)  am Schluss der Stunde. Hierfür sind Dehnungs- und Entspannungsübungen gut geeignet, die eine regenerierende Wirkung haben, zu einer Muskeltonussenkung (Muskeltonus = Grundspannung der Muskulatur) und nach einer körperlichen Anstrengung zu einem positiven Körpergefühl und einem erholten Zustand führen. Auch die Normalisierung u.a. der Temperaturregulation, der Herz-Kreislaufregulation aber auch des Säure-Basen-Gleichgewichts steht beim Cool-down im Vordergrund. In Kombination mit Entspannungsmusik gelingt  die Rückführung des Sportlers in den Ruhestand meist noch besser.
Falls im Anschluss nach dieser eben gehaltenen Stunde für den Choreographen die nächste Tanzstunde beginnt, muss er dieselbe Motivation und Leistung aufbringen, wie in allen anderen Stunden zuvor.

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